Was genau ist Ayurveda ?

Ayurveda ist ein mehrere tausend Jahre altes Medizinsystem und der Ursprung auch unserer westlichen Medizin. Das Ziel von Ayurveda ist ein langes, erfolgreiches Leben bei körperlichem und seelischem Wohlbefinden, bestmöglicher Gesundheit und hoher Leistungsfähigkeit.
Im Zentrum von Ayurveda steht die Frage nach den individuellen Eigenschaften, d.h. nach der Konstitution eines Menschen. Wenn Sie Ihre Konstitution und Die Konstitution Ihres Kindes/Jugendlichen kennen, wissen Sie auch, welche Ernährung, welcher Sport, welche Bewegung, welche Umgebung und welche Lebensweise ideal wären, um Gesundheit und Wohlbefinden zu erhalten und zu fördern. Gleichzeitig kennen Sie auch die Risikofaktoren, die zu gesundheitlichen Störungen, Krankheiten und Energieverlust führen können.
Ayurvedische Therapie ist besonders erfolgreich bei chronischen Erkrankungen und bei Zivilisationskrankheiten. Ayurveda ist Präventivmedizin und ganzheitliche Medizin im eigentlichen Sinne.
Dr. med. Detlef Grunert

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Mucuna pruriens und Parkinson

Indische Kräutermedizin
Ayurveda ist eine der ältesten Lehren vom Heilen. Westliche Ärzte sehen in ihr eine Ergänzung zur Schulmedizin
von Bärbel Schwertfeger
Das Ergebnis war überraschend für Christian Keßler. “Ein Großteil der Studien über die Behandlung mit Ayurveda-Medizin hat trotz geringer Personenzahl eine hohe Aussagekraft”, resümiert der Mediziner. In seiner Dissertation an der Medizinischen Hochschule Hannover (MHH) untersuchte der Arzt 100 Studien zu den chronischen Erkrankungen Diabetes, Fettstoffwechselstörungen und Asthma.
“Mein Ziel war es, Studien zu sichten und ihre Qualität nach schulmedizinischen Maßstäben zu bewerten”, sagt Keßler. Mit Hilfe der sogenannten Poweranalyse ermittelte er dabei, wie verläßlich das Ergebnis einer Studie ist. Gerade bei der Behandlung von Diabetes, wo sich die Wirkung an der Senkung des Blutzuckerspiegels messen läßt, sei das Ergebnis erstaunlich positiv. Definitive Schlüsse auf die Wirksamkeit der Ayurveda-Mittel, die medizinische Fachgesellschaften zu Therapieempfehlungen veranlassen könnten, seien erst durch größere und besser geplante Studien möglich.
Ayurveda gilt als eines der ältesten Medizinsysteme der Welt. Seine Geschichte reicht mehrere tausend Jahre zurück, und in Indien spielt Ayurveda neben der westlichen Medizin noch immer die wichtigste Rolle bei der Gesundheitsversorgung. Die ayurvedische Heilkunde beruht auf der Annahme, daß der Mensch von den drei Bioenergien Vata, Pitta und Kapha gesteuert wird. Danach bestimmen diese “Doshas” unsere gesamten körperlichen und seelischen Vorgänge. Bei Geburt verfügt jeder Mensch über eine individuelle Dosha-Konstitution, die sein ganzes Leben bestehen bleibt. Bei den meisten Menschen ist dieses individuelle Mischverhältnis jedoch durch Streß und falsche Lebensweise gestört. Hier liegt nach Auffassung des Ayurveda die Ursache für Gesundheitsprobleme und ernsthafte Krankheiten.
Ziel der Therapie ist es daher, das Gleichgewicht wiederherzustellen. “Dem Ayurveda liegt ein eigenständiges und differenziertes wissenschaftliches Weltbild zugrunde, auf dessen Grundlage diagnostiziert und behandelt wird”, erklärt Ananda Samir Chopra, leitender Arzt der Ayurveda-Sektion der Habichtswald-Klinik in Kassel. Seit zehn Jahren können Patienten dort Ayurveda-Therapien in Anspruch nehmen. “Bei einer Vielzahl von Krankheiten wie Bluthochdruck, Neurodermitis, Arthrose oder Rheuma konnten wir gute Erfolge erzielen”, sagt der Schulmediziner mit zusätzlichem Ayurveda-Studium in Indien.
Doch seriöse Ayurveda-Angebote mit fundierter medizinischer Betreuung sind rar. Der Markt wird dominiert von Kosmetikerinnen, Ernährungsberatern und Heilpraktikern, die sich ihre Ayurveda-Kenntnisse meist in ein paar Wochenendkursen angeeignet haben. In Indien studieren Ayurveda-Ärzte mindestens sechs Jahre. Etwa ein Drittel des Lernstoffs stammt dabei aus der westlichen Medizin.
Wie gültig das alte Wissen noch heute ist, zeigen die Forschungen des Neurologen Bala V. Manyam an der A&M-Universität in Texas. Er untersuchte die Wirkung der in Indien beheimateten Juckbohne (Macuna pruriens), deren Wirkstoff Levodopa in synthetischer Form auch in den gängigen Medikamenten gegen die Parkinson-Krankheit enthalten ist. Die dreimonatige Behandlung von 60 Parkinson-Patienten mit der aus dem Pulver hergestellten Präparation HP-200 zeigte nicht nur eine deutliche Verbesserungen der Symptome, sondern auch weniger Nebeneffekte.
Was der Neurologe heute erforscht, wußten die Ayurveda-Ärzte offenbar schon vor 4500 Jahren. Bereits damals wurde die Parkinson-Krankheit mit dem Mucuna-Pulver behandelt. In Indien gibt es ein entsprechendes Medikament mit dem Namen Zandopa, in den USA wurde das Mittel bisher nur für klinische Studien zugelassen. Dabei ist das Bohnenpulver möglicherweise wirksamer als heutige Medikamente. So stieß Manyam bei Tierversuchen darauf, daß die Wirkung von HP-200 deutlich stärker ist als der synthetische Stoff von gleicher Menge.
Dabei ist die Kräutermedizin nur Teil der Therapie. “Ayurveda verfolgt immer einen multimodalen Ansatz mit Arzneimitteln, typgerechter Ernährung sowie verschiedenen Behandlungen wie Ölmassagen oder Schwitzbädern”, erklärt MHH-Mediziner Christian Keßler. Es sei daher fraglich, ob Ayurveda-Therapien überhaupt mit den gängigen Methoden der westlichen medizinischen Forschung adäquat untersucht werden können. Bis Ayurveda im Westen als Medizinsystem anerkannt wird, ist es daher noch ein langer Weg.
Einen anderen Ansatz verfolgt das Bundesforschungsministerium. Dort wurde ein umfangreiches Projekt zur Internationalisierung im Gesundheitsbereich genehmigt, das sich auch mit Ayurveda befaßt. Dabei soll das Europäische Ayurveda Center in Castrop-Rauxel als Anlaufpunkt für jene etabliert werden, die ayurvedische Behandlungen in Indien suchen. “Ziel ist es, daß die Patienten nach einer fundierten Eingangsdiagnostik in Deutschland eine optimale Versorgung in Indien bekommen und dann hier kompetent weiterbehandelt werden”, sagt Stephan von Bandemer vom Institut für Arbeit und Technik in Gelsenkirchen, welches das Projekt betreut. Auch einen eigenen Verband für in Europa arbeitende Ayurveda-Ärzte soll es bald geben. Für den Mitinitiator und Kasseler Arzt Anand Chopra ist das ein wichtiger Schritt, damit die indische Heilkunde den Sprung aus der Wellness-Szene in die etablierte Medizin schafft.
Artikel erschienen am Sa, 3. Juni 2006
Zeitung Die Welt Artikel erschienen am Sa, 3. Juni 2006

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ADHS Aufmerksamkeitsdefizit-Hyperaktivitäts-Syndrom im Ayurveda

Was kennzeichnet ADHS?

Das Hauptmerkmal der Erkrankung ist die gestörte „Aufmerksamkeit“. Die Erkrankung tritt dabei in zwei Varianten – mit und ohne Hyperaktivität – auf. Ein Teil der Betroffenen fällt durch „Träumen“ z.B. im Schulunterricht auf. Bei der anderen Variante ist ein wesentliches Merkmal die permanente und für die Umwelt sehr unangenehme Unruhe, die „Hyperaktivität“. Die geringe Ausdauer sowie die eingeschränkte psychische und emotionale Belastbarkeit führen zu Problemen in der Schule bis hin zu komplettem Schulversagen. Dazu kommen, zusätzlich bedingt durch ein sehr geringes Selbstwertgefühl, Störungen im Sozialverhalten, Krisen in der Familie, Probleme mit Gleichaltrigen usw..

Wie wird ADHS festgestellt?

Die Diagnose wird durch ein persönliches Gespräch des Arztes mit dem betroffenen Kind/Jugendlichen und mit seinen Eltern gestellt. Zusätzlich sind Informationen aus Schule und Kindergarten wichtig und nützlich. Auch die Beobachtung des Kindes/Jugendlichen liefert weitere Informationen. Häufig finden sich zusätzliche Zeichen wie trockene Haut, brüchige Nägel, Neurodermitis, überempfindliches Gehör, Schlafprobleme, Kopfschmerzen oder Bauchschmerzen. Aus ayurvedischer Sicht sind diese zusätzlichen Erkrankungen bzw. Symptome als Vata-Störungen zu betrachten.

Eine Schilddrüsenfunktionsstörung sollte ausgeschlossen werden. Hierzu ist eine Ultraschalluntersuchung der Schilddrüse und eine Blutabnahme notwendig und sinnvoll. Weitere moderne Untersuchungsmethoden wie Computertomographie (CT), Kernspintomographie (MRT) oder Hirnstrommessung (EEG), sind für die Diagnosestellung nutzlos und sollten unterlassen werden, um Kind oder Jugendlichen nicht unnötig zu belasten!

Wo liegt die Störung beim ADHS?

In diesem kurzen Artikel kann ich nur auf einige wichtige Aspekte eingehen. Voranstellen möchte ich zum besseren Verständnis – etwas vereinfacht – das aktuelle Wissen vom ADHS in der „modernen“, westlichen Medizin.

Beim ADHS handelt es sich um eine Stoffwechselstörung des Gehirns. In einem kleinen, aber sehr wichtigen Gehirnbereich, wird eine Substanz, die zur Informationsübertragung benötigt wird, extrem rasch verbraucht. Dadurch können Informationen von außen nur während einer kurzen Zeit weitergeleitet und verarbeitet werden. Die Folgen sind eine schlechte oder fehlende Aufmerksamkeit, eine schlechte und lückenhafte Speicherung der Informationen und als Folge davon ein Leistungsabfall z.B. in der Schule bis hin zu komplettem Schulversagen. Das Gehirn der Betroffenen ist nur für kurze Zeit (wenige Minuten) in der Lage, Informationen korrekt aufzunehmen, weiterzuleiten und zu speichern. Das Gehirn ist somit in vielen wesentlichen Bereichen nur sehr eingeschränkt anpassungs- und leistungsfähig. Durch die Summe der Probleme kommt es zu auffälligem Verhalten bis hin zu schweren Verhaltensstörungen und psychischen Problemen. Als ursächliche Faktoren werden in der modernen Medizin neben vererbten Risiken Störungen vor, während und nach der Geburt beschrieben. Rauchende Mütter oder Väter mit Alkoholmissbrauch, ein schlechtes Wohnumfeld, ungünstige Einflüsse in der Schule usw. erhöhen das Risiko, an ADHS zu erkranken.
Aus ayurvedischer Sicht handelt es sich beim ADHS um eine Kombination aus schwerer Vata-Störung und einer Störung des Nervengewebes. Dazu kommt je nach Ausprägung ein Überschuss der pathologischen psychischen Faktoren tamas mit Trägheit, fehlendem Antrieb, Träumen im Unterricht etc. oder rajas mit unangenehmer Überaktivität bis hin zur Aggressivität.

Welche Möglichkeiten gibt es im Ayurveda, ein ADHS zu verhindern?
Aus ayurvedischer Sicht steht die Prophylaxe, d.h. das Verhindern des ADHS an erster Stelle. Hierzu sind eine ausgeglichene Konstitution und der optimale Aufbau aller (!) Gewebe die Grundlage. Und: Diese Grundlage wird bereits vor der Geburt gelegt!

Faktoren, die das Auftreten eines ADHS aus ayurvedischer Sicht begünstigen sind u.a.:
- Väterliche oder mütterliche „Gene“ (Vererbung)
- Schlechte Versorgung mit Nährstoffen, Vitaminen, Spurenelementen, … während der Schwangerschaft und danach
- Ungünstige Nahrung mit viel rajas (sehr scharf, viel Kaffee, viel blutiges Fleisch, …) oder viel tamas (Konserven, – Schweinefleisch, viel schlechte Fette, …) während der Schwangerschaft und danach
- Ama (Toxine) vor und während der Schwangerschaft wie Rauchen, Alkohol oder sonstige Suchtmittel
- Hoher Stress während der Schwangerschaft inkl. hohen Lärmpegeln (auch laute Disco-Musik)

- Fehlende Bewegung der Mutter während der Schwangerschaft
- Mangelnde Bewegung des Kindes im Elternhaus
- Mangelnde Bewegung in Kindergarten und Schule (dreimal pro Woche Sport/Bewegung ist aus gesundheitlicher und ayurvedischer Sicht das Minimum!!)

Daraus ergeben sich kurzgefasst die Möglichkeiten der ADHS-Prophylaxe vor und während der Schwangerschaft:
Mutter und Vater sollen gesund sein und sich ihrer Konstitution entsprechend ernähren und bewegen (siehe kurz gefasst z.B. im Buch „Balance durch Ayurveda-Yoga“). Dabei gelten für beide die ayurvedischen Regeln für eine gesunde Lebensweise (siehe entsprechende Literatur). Neben einer optimalen, sattvischen Ernährung mit allen wichtigen Nährstoffen ist das Vermeiden von Genussgiften und Lärm sehr wichtig. Ergänzend soll für eine angenehme Bewegung sowie eine Harmonie von Körper und Geist gesorgt werden. Hierzu ist z.B. Yoga geeignet. Ideal ist z.B. Yoga für die eigene Konstitution – Ayurveda-Yoga.

Nach Geburt steht die ADHS-Prophylaxe auf zwei Pfeilern:
Zum einen ist dies eine gute, im Idealfall sattvische Ernährung mit frischen Nahrungsmitteln. Die Ernährung soll an die Konstitution angepasst sein und alle notwendigen Vitamine, Spurenelemente etc. enthalten. Besonders wichtig für das Gehirn und zumindest in der deutschen Ernährung knapp sind Zink, Biotin und Omega-3-Fettsäuren. Auch eine Nahrungsergänzung z.B. mit Cyavanprash (Amla-Mus) ist daher durchaus sinnvoll.
Zum anderen ist dies eine gute Bewegung von Anfang an und im Idealfall täglicher (!) Sport in Kindergarten und Schule. In vielen Ländern der Welt von Neuseeland über Vietnam bis Finnland wird darauf besonders geachtet!

Welche Möglichkeiten gibt es, wenn bei einen Kind oder Jugendlichen ein ADHS aufgetreten ist?
Gleich vorweg: In vielen Fällen wird man um eine (zumindest vorübergehende) westliche Therapie mit Methylphenidat oder ähnlichen Substanzen nicht herumkommen. Erstes Ziel ist, den Leistungsabfall in der Schule aufzuhalten und schwere psychische Schäden zu vermeiden. Eine prinzipielle und dauernde Verbesserung der Gehirnfunktion wird damit jedoch nicht erreicht. Eine gute Therapie des ADHS muss im eigentlichen Sinne ganzheitlich sein! Damit sind nicht Bachblüten, Homöopathie oder Ähnliches gemeint. Derartige Therapieversuche sind weder ganzheitlich noch nutzbringend.
In jedem Fall ist eine kombinierte Therapie auf Dauer am Erfolg versprechendsten. Gerade in diesem Bereich liegt der große Nutzen von Ayurveda! Folgende Maßnahmen (ohne Anspruch auf Vollständigkeit) sind wichtig und sinnvoll:
1. Sattvische Ernährung mit frischen Nahrungsmitten entsprechend den Regeln für Vata-Störung (warm, nahrhaft, genügend Flüssigkeit, etc.)
2. Nahrungsergänzung z.B. mit Cyavanprash
3. Täglich geeignete Bewegung und Sport
4. Yoga zur Harmonisierung von Körper und Geist z.B. Ayuveda-Yoga
5. Je nach Alter Ayurvedatherapien wie Abhyanga (Ölmassagen) z.B. mit Mahanarayana-Öl, Shirodhara (Stirnölguss) etc.
6. Zusätzlich kann Brahmi (Bacopa monniera) zur Verbesserung der Gehirnfunktion gegeben werden.
7. Bei Bedarf sind weitere ayurvedische Medikamente/Kräuter wie Triphala, Ashwagandha, Dashamula, Jatamamsi etc. nützlich.

Bemerkungen zum Schluss:
ADHS ist die häufigste psychische Erkrankung im Kindes- und Jugendalter. Die Erkrankung und ihre Folgen ziehen sich durch das ganze Leben. Die Diagnosestellung und die Therapie von Kindern und Jugendlichen mit ADHS ist schwierig und komplex. Beides sollte daher unbedingt von einen erfahrenen Kinder- und Jugendarzt oder einen Kinder- und Jugendpsychiater durchgeführt und gesteuert werden. Auch die Steuerung einer Ayurvedatherapie bleibt spezialisierten Ärzten vorbehalten.
Die Durchführung einer optimalen Therapie des ADHS erfordert zusätzlich eines ganzes Netzwerk aus Familie, Schule, Ausbildungsstelle usw.. Die wichtige ergänzende Ayurvedatherapie und vor allem sämtliche Maßnahmen zur Verhinderung eines ADHS fallen in den Aufgabenbereich von Ayurvedatherapeuten und insbesondere der Eltern. Die Voraussetzungen zu schaffen für eine optimale Umwelt, für gute Ernährung und Nahrungsmittel sowie für geeignete Bewegung und Sport ist ebenfalls Aufgabe der Eltern aber auch der Kindergärten und Schulen und damit auch der Politik!

Im Ayurveda ist Förderung, gute Versorgung und Krankheitsvorsorge der Kinder Grundlage der Gesundheit und Entwicklung einer Kultur! Dies sollte auch in Mitteleuropa und speziell in Deutschland gelten.

Abschließend noch ein Hinweis: Zu den Bereichen gesunde Kinder, Bewegung, richtige Ernährung, Sport etc. werden vom Autor dieses Artikels im Herbst 2006 und Frühjahr 2007 zwei Bücher erscheinen. In den Büchern wird eine Verbindung zwischen moderner Kinder- und Jugendmedizin und Sportmedizin sowie traditioneller ayurvedischer Medizin hergestellt. Ausschnitte aus den Büchern wurden auch für diesen Artikel verwendet. Die Titel werden lauten:
Grunert D.: Gesunde, fitte und intelligente Kinder durch Ayurveda, Das große Ayurveda-Gesundheitsbuch für Eltern und Erzieher. Erscheint Herbst 2007. Verlag Via Nova, Petersberg
Grunert D.: Gesundheit, Fitness und Leistungsfähigkeit durch Ayurveda im Sport. Erscheint Herbst 2006. Verlag Via Nova, Petersberg

Literatur:

Grunert U., Grunert D.: AyurVedaYoga – Yogaprogramme für die eigene Konstitution. 3 DVD´s. pro literatur Verlag, Mammendorf 2006

Grunert U., Grunert D.: Balance durch Ayurveda-Yoga. Knaur Verlag, München 2006
Autor: Dr. med. Detlef Grunert
Artikel für: Ayurveda Journal

Hinter den vier Buchstaben ADHS verbirgt sich eine Erkrankung, die für die betroffenen Kinder und Jugendlichen schwerwiegende Folgen für das gesamte weitere Leben haben kann. ADHS bedeutet Aufmerksamkeitsdefizit-Hyperaktivitäts-Syndrom. 5% bis 10%, d.h. mindestens 500.000 Kinder und Jugendliche in Deutschland zwischen 6 und 18 Jahren sind von dieser Erkrankung betroffen, wobei nur ein Teil effektiv behandelt wird. Und: Die Zahl der erkrankten Kinder und Jugendlichen hat in den letzten 10 Jahren sehr rasch zugenommen. In den USA wird ADHS als die sich am schnellsten ausbreitende Krankheit bezeichnet! In meiner Praxis für Kinder- und Jugendmedizin behandele ich derzeit über 50 Kinder und Jugendliche, die an ADHS leiden. Das Thema ist daher wichtig und aktuell. Wie bekannt ist, haben 50% der Betroffenen auch im Erwachsenenalter weiterhin Probleme.

Ist ADHS eine neue Modekrankheit?

Nein! Bereits in den ayurvedischen Schriften ist die Erkrankung als Unterart von „Unmada“ beschrieben worden. Hier sind Störungen des Geistes, des Intellekts, des Gedächtnisses, des Verhaltens etc. aufgezählt. Betroffen ist vorwiegend Vata-Dosha und zusätzlich psychische Faktoren mit einem Überschuss an rajas (überaktiv) oder tamas (lethargisch). Auch Hippokrates hat vor 2500 Jahren die Krankheit beschrieben. In der westlichen Medizin wurde ADHS erstmals 1902 von G. F. Still systematisch untersucht.

Was kennzeichnet ADHS?

Das Hauptmerkmal der Erkrankung ist die gestörte „Aufmerksamkeit“. Die Erkrankung tritt dabei in zwei Varianten – mit und ohne Hyperaktivität – auf. Ein Teil der Betroffenen fällt durch „Träumen“ z.B. im Schulunterricht auf. Bei der anderen Variante ist ein wesentliches Merkmal die permanente und für die Umwelt sehr unangenehme Unruhe, die „Hyperaktivität“. Die geringe Ausdauer sowie die eingeschränkte psychische und emotionale Belastbarkeit führen zu Problemen in der Schule bis hin zu komplettem Schulversagen. Dazu kommen, zusätzlich bedingt durch ein sehr geringes Selbstwertgefühl, Störungen im Sozialverhalten, Krisen in der Familie, Probleme mit Gleichaltrigen usw..

Wie wird ADHS festgestellt?

Die Diagnose wird durch ein persönliches Gespräch des Arztes mit dem betroffenen Kind/Jugendlichen und mit seinen Eltern gestellt. Zusätzlich sind Informationen aus Schule und Kindergarten wichtig und nützlich. Auch die Beobachtung des Kindes/Jugendlichen liefert weitere Informationen. Häufig finden sich zusätzliche Zeichen wie trockene Haut, brüchige Nägel, Neurodermitis, überempfindliches Gehör, Schlafprobleme, Kopfschmerzen oder Bauchschmerzen. Aus ayurvedischer Sicht sind diese zusätzlichen Erkrankungen bzw. Symptome als Vata-Störungen zu betrachten.

Eine Schilddrüsenfunktionsstörung sollte ausgeschlossen werden. Hierzu ist eine Ultraschalluntersuchung der Schilddrüse und eine Blutabnahme notwendig und sinnvoll. Weitere moderne Untersuchungsmethoden wie Computertomographie (CT), Kernspintomographie (MRT) oder Hirnstrommessung (EEG), sind für die Diagnosestellung nutzlos und sollten unterlassen werden, um Kind oder Jugendlichen nicht unnötig zu belasten!

Wo liegt die Störung beim ADHS?

In diesem kurzen Artikel kann ich nur auf einige wichtige Aspekte eingehen. Voranstellen möchte ich zum besseren Verständnis – etwas vereinfacht – das aktuelle Wissen vom ADHS in der „modernen“, westlichen Medizin.

Beim ADHS handelt es sich um eine Stoffwechselstörung des Gehirns. In einem kleinen, aber sehr wichtigen Gehirnbereich, wird eine Substanz, die zur Informationsübertragung benötigt wird, extrem rasch verbraucht. Dadurch können Informationen von außen nur während einer kurzen Zeit weitergeleitet und verarbeitet werden. Die Folgen sind eine schlechte oder fehlende Aufmerksamkeit, eine schlechte und lückenhafte Speicherung der Informationen und als Folge davon ein Leistungsabfall z.B. in der Schule bis hin zu komplettem Schulversagen. Das Gehirn der Betroffenen ist nur für kurze Zeit (wenige Minuten) in der Lage, Informationen korrekt aufzunehmen, weiterzuleiten und zu speichern. Das Gehirn ist somit in vielen wesentlichen Bereichen nur sehr eingeschränkt anpassungs- und leistungsfähig. Durch die Summe der Probleme kommt es zu auffälligem Verhalten bis hin zu schweren Verhaltensstörungen und psychischen Problemen. Als ursächliche Faktoren werden in der modernen Medizin neben vererbten Risiken Störungen vor, während und nach der Geburt beschrieben. Rauchende Mütter oder Väter mit Alkoholmissbrauch, ein schlechtes Wohnumfeld, ungünstige Einflüsse in der Schule usw. erhöhen das Risiko, an ADHS zu erkranken.
Aus ayurvedischer Sicht handelt es sich beim ADHS um eine Kombination aus schwerer Vata-Störung und einer Störung des Nervengewebes. Dazu kommt je nach Ausprägung ein Überschuss der pathologischen psychischen Faktoren tamas mit Trägheit, fehlendem Antrieb, Träumen im Unterricht etc. oder rajas mit unangenehmer Überaktivität bis hin zur Aggressivität.

Welche Möglichkeiten gibt es im Ayurveda, ein ADHS zu verhindern?
Aus ayurvedischer Sicht steht die Prophylaxe, d.h. das Verhindern des ADHS an erster Stelle. Hierzu sind eine ausgeglichene Konstitution und der optimale Aufbau aller (!) Gewebe die Grundlage. Und: Diese Grundlage wird bereits vor der Geburt gelegt!

Faktoren, die das Auftreten eines ADHS aus ayurvedischer Sicht begünstigen sind u.a.:
- Väterliche oder mütterliche „Gene“ (Vererbung)
- Schlechte Versorgung mit Nährstoffen, Vitaminen, Spurenelementen, … während der Schwangerschaft und danach
- Ungünstige Nahrung mit viel rajas (sehr scharf, viel Kaffee, viel blutiges Fleisch, …) oder viel tamas (Konserven, – Schweinefleisch, viel schlechte Fette, …) während der Schwangerschaft und danach
- Ama (Toxine) vor und während der Schwangerschaft wie Rauchen, Alkohol oder sonstige Suchtmittel
- Hoher Stress während der Schwangerschaft inkl. hohen Lärmpegeln (auch laute Disco-Musik)

- Fehlende Bewegung der Mutter während der Schwangerschaft
- Mangelnde Bewegung des Kindes im Elternhaus
- Mangelnde Bewegung in Kindergarten und Schule (dreimal pro Woche Sport/Bewegung ist aus gesundheitlicher und ayurvedischer Sicht das Minimum!!)

Daraus ergeben sich kurzgefasst die Möglichkeiten der ADHS-Prophylaxe vor und während der Schwangerschaft:
Mutter und Vater sollen gesund sein und sich ihrer Konstitution entsprechend ernähren und bewegen (siehe kurz gefasst z.B. im Buch „Balance durch Ayurveda-Yoga“). Dabei gelten für beide die ayurvedischen Regeln für eine gesunde Lebensweise (siehe entsprechende Literatur). Neben einer optimalen, sattvischen Ernährung mit allen wichtigen Nährstoffen ist das Vermeiden von Genussgiften und Lärm sehr wichtig. Ergänzend soll für eine angenehme Bewegung sowie eine Harmonie von Körper und Geist gesorgt werden. Hierzu ist z.B. Yoga geeignet. Ideal ist z.B. Yoga für die eigene Konstitution – Ayurveda-Yoga.

Nach Geburt steht die ADHS-Prophylaxe auf zwei Pfeilern:
Zum einen ist dies eine gute, im Idealfall sattvische Ernährung mit frischen Nahrungsmitteln. Die Ernährung soll an die Konstitution angepasst sein und alle notwendigen Vitamine, Spurenelemente etc. enthalten. Besonders wichtig für das Gehirn und zumindest in der deutschen Ernährung knapp sind Zink, Biotin und Omega-3-Fettsäuren. Auch eine Nahrungsergänzung z.B. mit Cyavanprash (Amla-Mus) ist daher durchaus sinnvoll.
Zum anderen ist dies eine gute Bewegung von Anfang an und im Idealfall täglicher (!) Sport in Kindergarten und Schule. In vielen Ländern der Welt von Neuseeland über Vietnam bis Finnland wird darauf besonders geachtet!

Welche Möglichkeiten gibt es, wenn bei einen Kind oder Jugendlichen ein ADHS aufgetreten ist?
Gleich vorweg: In vielen Fällen wird man um eine (zumindest vorübergehende) westliche Therapie mit Methylphenidat oder ähnlichen Substanzen nicht herumkommen. Erstes Ziel ist, den Leistungsabfall in der Schule aufzuhalten und schwere psychische Schäden zu vermeiden. Eine prinzipielle und dauernde Verbesserung der Gehirnfunktion wird damit jedoch nicht erreicht. Eine gute Therapie des ADHS muss im eigentlichen Sinne ganzheitlich sein! Damit sind nicht Bachblüten, Homöopathie oder Ähnliches gemeint. Derartige Therapieversuche sind weder ganzheitlich noch nutzbringend.
In jedem Fall ist eine kombinierte Therapie auf Dauer am Erfolg versprechendsten. Gerade in diesem Bereich liegt der große Nutzen von Ayurveda! Folgende Maßnahmen (ohne Anspruch auf Vollständigkeit) sind wichtig und sinnvoll:
1. Sattvische Ernährung mit frischen Nahrungsmitten entsprechend den Regeln für Vata-Störung (warm, nahrhaft, genügend Flüssigkeit, etc.)
2. Nahrungsergänzung z.B. mit Cyavanprash
3. Täglich geeignete Bewegung und Sport
4. Yoga zur Harmonisierung von Körper und Geist z.B. Ayuveda-Yoga
5. Je nach Alter Ayurvedatherapien wie Abhyanga (Ölmassagen) z.B. mit Mahanarayana-Öl, Shirodhara (Stirnölguss) etc.
6. Zusätzlich kann Brahmi (Bacopa monniera) zur Verbesserung der Gehirnfunktion gegeben werden.
7. Bei Bedarf sind weitere ayurvedische Medikamente/Kräuter wie Triphala, Ashwagandha, Dashamula, Jatamamsi etc. nützlich.

Bemerkungen zum Schluss:
ADHS ist die häufigste psychische Erkrankung im Kindes- und Jugendalter. Die Erkrankung und ihre Folgen ziehen sich durch das ganze Leben. Die Diagnosestellung und die Therapie von Kindern und Jugendlichen mit ADHS ist schwierig und komplex. Beides sollte daher unbedingt von einen erfahrenen Kinder- und Jugendarzt oder einen Kinder- und Jugendpsychiater durchgeführt und gesteuert werden. Auch die Steuerung einer Ayurvedatherapie bleibt spezialisierten Ärzten vorbehalten.
Die Durchführung einer optimalen Therapie des ADHS erfordert zusätzlich eines ganzes Netzwerk aus Familie, Schule, Ausbildungsstelle usw.. Die wichtige ergänzende Ayurvedatherapie und vor allem sämtliche Maßnahmen zur Verhinderung eines ADHS fallen in den Aufgabenbereich von Ayurvedatherapeuten und insbesondere der Eltern. Die Voraussetzungen zu schaffen für eine optimale Umwelt, für gute Ernährung und Nahrungsmittel sowie für geeignete Bewegung und Sport ist ebenfalls Aufgabe der Eltern aber auch der Kindergärten und Schulen und damit auch der Politik!

Im Ayurveda ist Förderung, gute Versorgung und Krankheitsvorsorge der Kinder Grundlage der Gesundheit und Entwicklung einer Kultur! Dies sollte auch in Mitteleuropa und speziell in Deutschland gelten.

Abschließend noch ein Hinweis: Zu den Bereichen gesunde Kinder, Bewegung, richtige Ernährung, Sport etc. werden vom Autor dieses Artikels im Herbst 2006 und Frühjahr 2007 zwei Bücher erscheinen. In den Büchern wird eine Verbindung zwischen moderner Kinder- und Jugendmedizin und Sportmedizin sowie traditioneller ayurvedischer Medizin hergestellt. Ausschnitte aus den Büchern wurden auch für diesen Artikel verwendet. Die Titel werden lauten:
Grunert D.: Gesunde, fitte und intelligente Kinder durch Ayurveda, Das große Ayurveda-Gesundheitsbuch für Eltern und Erzieher. Erscheint Herbst 2007. Verlag Via Nova, Petersberg
Grunert D.: Gesundheit, Fitness und Leistungsfähigkeit durch Ayurveda im Sport. Erscheint Herbst 2006. Verlag Via Nova, Petersberg

Literatur:

Grunert U., Grunert D.: AyurVedaYoga – Yogaprogramme für die eigene Konstitution. 3 DVD´s. pro literatur Verlag, Mammendorf 2006

Grunert U., Grunert D.: Balance durch Ayurveda-Yoga. Knaur Verlag, München 2006

Keller K., Zierau M.-Th.: Hilfe bei ADHS. Knaur Ratgeber Verlage, München 2004

Stier B., Weissenrieder N.: Jugendmedizin. Springer Medizin Verlag, Heidelberg 2006
Swami Sada Shiva Tirtha: The Ayurveda Encyclopedia. Sri Satgutu Publications, Delhi India 1998

Keller K., Zierau M.-Th.: Hilfe bei ADHS. Knaur Ratgeber Verlage, München 2004

Stier B., Weissenrieder N.: Jugendmedizin. Springer Medizin Verlag, Heidelberg 2006
Swami Sada Shiva Tirtha: The Ayurveda Encyclopedia. Sri Satgutu Publications, Delhi India 1998

Was kennzeichnet ADHS?

Das Hauptmerkmal der Erkrankung ist die gestörte „Aufmerksamkeit“. Die Erkrankung tritt dabei in zwei Varianten – mit und ohne Hyperaktivität – auf. Ein Teil der Betroffenen fällt durch „Träumen“ z.B. im Schulunterricht auf. Bei der anderen Variante ist ein wesentliches Merkmal die permanente und für die Umwelt sehr unangenehme Unruhe, die „Hyperaktivität“. Die geringe Ausdauer sowie die eingeschränkte psychische und emotionale Belastbarkeit führen zu Problemen in der Schule bis hin zu komplettem Schulversagen. Dazu kommen, zusätzlich bedingt durch ein sehr geringes Selbstwertgefühl, Störungen im Sozialverhalten, Krisen in der Familie, Probleme mit Gleichaltrigen usw..


Wie wird ADHS festgestellt?

Die Diagnose wird durch ein persönliches Gespräch des Arztes mit dem betroffenen Kind/Jugendlichen und mit seinen Eltern gestellt. Zusätzlich sind Informationen aus Schule und Kindergarten wichtig und nützlich. Auch die Beobachtung des Kindes/Jugendlichen liefert weitere Informationen. Häufig finden sich zusätzliche Zeichen wie trockene Haut, brüchige Nägel, Neurodermitis, überempfindliches Gehör, Schlafprobleme, Kopfschmerzen oder Bauchschmerzen. Aus ayurvedischer Sicht sind diese zusätzlichen Erkrankungen bzw. Symptome als Vata-Störungen zu betrachten.

Eine Schilddrüsenfunktionsstörung sollte ausgeschlossen werden. Hierzu ist eine Ultraschalluntersuchung der Schilddrüse und eine Blutabnahme notwendig und sinnvoll. Weitere moderne Untersuchungsmethoden wie Computertomographie (CT), Kernspintomographie (MRT) oder Hirnstrommessung (EEG), sind für die Diagnosestellung nutzlos und sollten unterlassen werden, um Kind oder Jugendlichen nicht unnötig zu belasten!


Wo liegt die Störung beim ADHS?

In diesem kurzen Artikel kann ich nur auf einige wichtige Aspekte eingehen. Voranstellen möchte ich zum besseren Verständnis – etwas vereinfacht – das aktuelle Wissen vom ADHS in der „modernen“, westlichen Medizin.

Beim ADHS handelt es sich um eine Stoffwechselstörung des Gehirns. In einem kleinen, aber sehr wichtigen Gehirnbereich, wird eine Substanz, die zur Informationsübertragung benötigt wird, extrem rasch verbraucht. Dadurch können Informationen von außen nur während einer kurzen Zeit weitergeleitet und verarbeitet werden. Die Folgen sind eine schlechte oder fehlende Aufmerksamkeit, eine schlechte und lückenhafte Speicherung der Informationen und als Folge davon ein Leistungsabfall z.B. in der Schule bis hin zu komplettem Schulversagen.  Das Gehirn der Betroffenen ist nur für kurze Zeit (wenige Minuten) in der Lage, Informationen korrekt aufzunehmen, weiterzuleiten und zu speichern. Das Gehirn ist somit in vielen wesentlichen Bereichen nur sehr eingeschränkt anpassungs- und leistungsfähig. Durch die Summe der Probleme kommt es zu auffälligem Verhalten bis hin zu schweren Verhaltensstörungen und psychischen Problemen. Als ursächliche Faktoren werden in der modernen Medizin neben vererbten Risiken Störungen vor, während und nach der Geburt beschrieben. Rauchende Mütter oder Väter mit Alkoholmissbrauch, ein schlechtes Wohnumfeld, ungünstige Einflüsse in der Schule usw. erhöhen das Risiko, an ADHS zu erkranken.

Aus ayurvedischer Sicht handelt es sich beim ADHS um eine Kombination aus schwerer Vata-Störung und  einer Störung des Nervengewebes. Dazu kommt je nach Ausprägung ein Überschuss der pathologischen psychischen Faktoren tamas mit Trägheit, fehlendem Antrieb, Träumen im Unterricht etc. oder rajas mit unangenehmer Überaktivität bis hin zur Aggressivität.

Welche Möglichkeiten gibt es im Ayurveda, ein ADHS zu verhindern?

Aus ayurvedischer Sicht steht die Prophylaxe, d.h. das Verhindern des ADHS an erster Stelle. Hierzu sind eine ausgeglichene Konstitution und der optimale Aufbau aller (!) Gewebe die Grundlage. Und: Diese Grundlage wird bereits vor der Geburt gelegt!

Faktoren, die das Auftreten eines ADHS aus ayurvedischer Sicht begünstigen sind u.a.:
- Väterliche oder mütterliche „Gene“ (Vererbung)
- Schlechte Versorgung mit Nährstoffen, Vitaminen, Spurenelementen, … während der Schwangerschaft und danach
- Ungünstige Nahrung mit viel rajas (sehr scharf, viel Kaffee, viel blutiges Fleisch, …) oder viel tamas (Konserven, -  Schweinefleisch, viel schlechte Fette, …) während der Schwangerschaft und danach
- Ama (Toxine) vor und während der Schwangerschaft wie Rauchen, Alkohol oder sonstige Suchtmittel
- Hoher Stress während der Schwangerschaft inkl. hohen Lärmpegeln (auch laute Disco-Musik)

- Fehlende Bewegung der Mutter während der Schwangerschaft
- Mangelnde Bewegung des Kindes im Elternhaus
- Mangelnde Bewegung in Kindergarten und Schule (dreimal pro Woche Sport/Bewegung ist aus gesundheitlicher und ayurvedischer Sicht das Minimum!!)

Daraus ergeben sich kurzgefasst die Möglichkeiten der ADHS-Prophylaxe vor und während der Schwangerschaft:

Mutter und Vater sollen gesund sein und sich ihrer Konstitution entsprechend ernähren und bewegen (siehe kurz gefasst z.B. im Buch „Balance durch Ayurveda-Yoga“). Dabei gelten für beide die ayurvedischen Regeln für eine gesunde Lebensweise (siehe entsprechende Literatur). Neben einer optimalen, sattvischen Ernährung mit allen wichtigen Nährstoffen ist das Vermeiden von Genussgiften und Lärm sehr wichtig. Ergänzend soll für eine angenehme Bewegung sowie eine Harmonie von Körper und Geist gesorgt werden. Hierzu ist z.B. Yoga geeignet. Ideal ist z.B. Yoga für die eigene Konstitution – Ayurveda-Yoga.

Nach Geburt steht die ADHS-Prophylaxe auf zwei Pfeilern:

Zum einen ist dies eine gute, im Idealfall sattvische Ernährung mit frischen Nahrungsmitteln. Die Ernährung soll an die Konstitution angepasst sein und alle notwendigen Vitamine, Spurenelemente etc. enthalten. Besonders wichtig für das Gehirn und zumindest in der deutschen Ernährung knapp sind Zink, Biotin und Omega-3-Fettsäuren. Auch eine Nahrungsergänzung z.B. mit Cyavanprash (Amla-Mus) ist daher durchaus sinnvoll.
Zum anderen ist dies eine gute Bewegung von Anfang an und im Idealfall täglicher (!) Sport in Kindergarten und Schule. In vielen Ländern der Welt von Neuseeland über Vietnam bis Finnland wird darauf besonders geachtet!

Welche Möglichkeiten gibt es, wenn bei einen Kind oder Jugendlichen ein ADHS aufgetreten ist?

Gleich vorweg: In vielen Fällen wird man um eine (zumindest vorübergehende) westliche Therapie mit Methylphenidat oder ähnlichen Substanzen nicht herumkommen. Erstes Ziel ist, den Leistungsabfall in der Schule aufzuhalten und schwere psychische Schäden zu vermeiden. Eine prinzipielle und dauernde Verbesserung der Gehirnfunktion wird damit jedoch nicht erreicht. Eine gute Therapie des ADHS muss im eigentlichen Sinne ganzheitlich sein! Damit sind nicht Bachblüten, Homöopathie oder Ähnliches gemeint. Derartige Therapieversuche sind weder ganzheitlich noch nutzbringend.
In jedem Fall ist eine kombinierte Therapie auf Dauer am Erfolg versprechendsten. Gerade in diesem Bereich liegt der große Nutzen von Ayurveda! Folgende Maßnahmen (ohne Anspruch auf Vollständigkeit) sind wichtig und sinnvoll:
1. Sattvische Ernährung mit frischen Nahrungsmitten entsprechend den Regeln für Vata-Störung (warm, nahrhaft, genügend Flüssigkeit, etc.)
2. Nahrungsergänzung z.B. mit Cyavanprash
3. Täglich geeignete Bewegung und Sport
4. Yoga zur Harmonisierung von Körper und Geist z.B. Ayuveda-Yoga
5. Je nach Alter Ayurvedatherapien wie Abhyanga (Ölmassagen) z.B. mit Mahanarayana-Öl, Shirodhara (Stirnölguss) etc.
6. Zusätzlich kann Brahmi (Bacopa monniera) zur Verbesserung der Gehirnfunktion gegeben werden.
7. Bei Bedarf sind weitere ayurvedische Medikamente/Kräuter wie Triphala, Ashwagandha, Dashamula, Jatamamsi etc. nützlich.

Bemerkungen zum Schluss:

ADHS ist die häufigste psychische Erkrankung im Kindes- und Jugendalter. Die Erkrankung und ihre Folgen ziehen sich durch das ganze Leben. Die Diagnosestellung und die Therapie von Kindern und Jugendlichen mit ADHS ist schwierig und komplex. Beides sollte daher unbedingt von einen erfahrenen Kinder- und Jugendarzt oder einen Kinder- und Jugendpsychiater durchgeführt und gesteuert werden. Auch die Steuerung einer Ayurvedatherapie bleibt spezialisierten Ärzten vorbehalten.
Die Durchführung einer optimalen Therapie des ADHS erfordert zusätzlich eines ganzes Netzwerk aus Familie, Schule, Ausbildungsstelle usw.. Die wichtige ergänzende Ayurvedatherapie und vor allem sämtliche Maßnahmen zur Verhinderung eines ADHS fallen in den Aufgabenbereich von Ayurvedatherapeuten und insbesondere der Eltern. Die Voraussetzungen zu schaffen für eine optimale Umwelt, für gute Ernährung und Nahrungsmittel sowie für geeignete Bewegung und Sport ist ebenfalls Aufgabe der Eltern aber auch der Kindergärten und Schulen und damit auch der Politik!

Im Ayurveda ist Förderung, gute Versorgung und Krankheitsvorsorge der Kinder Grundlage der Gesundheit und Entwicklung einer Kultur! Dies sollte auch in Mitteleuropa und speziell in Deutschland gelten.

Abschließend noch ein Hinweis: Zu den Bereichen gesunde Kinder, Bewegung, richtige Ernährung, Sport etc. werden vom Autor dieses Artikels im Herbst 2006 und Frühjahr 2007 zwei Bücher erscheinen. In den Büchern wird eine Verbindung zwischen moderner Kinder- und Jugendmedizin und Sportmedizin sowie traditioneller ayurvedischer Medizin hergestellt. Ausschnitte aus den Büchern wurden auch für diesen Artikel verwendet. Die Titel werden lauten:

Grunert D.: Gesunde, fitte und intelligente Kinder durch Ayurveda, Das große Ayurveda-Gesundheitsbuch für Eltern und Erzieher. Erscheint Herbst 2007. Verlag Via Nova, Petersberg
Grunert D.: Gesundheit, Fitness und Leistungsfähigkeit durch Ayurveda im Sport. Erscheint Herbst 2006. Verlag Via Nova, Petersberg

Literatur:

Grunert U., Grunert D.: AyurVedaYoga – Yogaprogramme für die eigene Konstitution. 3 DVD´s. pro literatur Verlag, Mammendorf 2006

Grunert U., Grunert D.: Balance durch Ayurveda-Yoga. Knaur Verlag, München 2006

Keller K., Zierau M.-Th.: Hilfe bei ADHS. Knaur Ratgeber Verlage, München 2004

Stier B., Weissenrieder N.: Jugendmedizin. Springer Medizin Verlag, Heidelberg 2006

Swami Sada Shiva Tirtha: The Ayurveda Encyclopedia. Sri Satgutu Publications, Delhi India 1998

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