Wir sollten uns stets an die Worte des Arztes CARAKA erinnern, der in seinen über 3500 Jahre alten Lehrschriften, der „CARAKA SAMHITA“, bereits empfahl, Wissen aus allen verfügbaren Quellen zu schöpfen, denn es gebe weder in Bezug auf Ayurveda noch in irgendeinem anderen medizinischen Kon-zept eine Endgültigkeit. Vielmehr sollte es unser Bestreben sein, selbst von unseren Feinden die Wahr-heit anzunehmen. Weiterhin sagte er, dass die ganze Welt aus Lehrern für die Weisen und Feinden für die Narren bestehe. Alles, was dazu diene, Gesundheit, ein langes Leben, Ruhm und Leistung zu erhal-ten, solle empfangen, verstanden und gewissenhaft in die Tat umgesetzt werden. Diese Zitate sollten genügen, um die Unvoreingenommenheit der ayurvedischen Heilkunde darzustellen. Deren philosophischer Hintergrund steht in keinerlei Verbindung mit einem speziellen Volk, einer spezifi-schen Kultur oder Religion; vielmehr sollte Ayurveda ob ihres universellen und wissenschaftlichen Cha-rakters geschätzt werden. Die ayurvedische Lehre besagt, dass während eines Menschenlebens der Geist (Manas) als eine abs-trakte Wesenheit bestehe, die jegliche Aktivitäten des Körpers wie auch sich selbst kontrolliere.Die Stimmung dieser Weseneinheit sei veränderlich. Für sich genommen sei diese Wesenheit, der Geist, empfindungslos, werde aber durch die kosmische Kraft, die sie empfängt, aktiv. Diese Kraft ist uns bekannt als die Seele (Purusha). Im Ayurveda wird die Seele auch Karmapurusha genannt, denn die Seele (Purusha) erntet die Früchte sowohl ihrer vergangenen wie ihrer gegenwärtigen Handlungen (Karma), Ayurveda akzeptiert somit das Konzept der Seelenwanderung, der Wiedergeburt und der Karma-Theorie. In diesem Zusammenhang hat Karma die Bedeutung von zurückliegenden Handlungen, die auf dem Geistkörper eine Prägung hinterlassen, genauso wie das Samenkorn sich nach einer geraumen Zeit manifestiert, wenn es mit fruchtbarer Erde in Berührung kommt. Dieser Teil des Ay-urveda hat seinen Ursprung in der Vedanta-Philosophie. Leben ist ein Zustand von Existenz, geformt durch die Kombination von Körper, Sinnesorganen, Geist und Seele2. Geist (Manas), Intelligenz (Buddhi), Ego (Ahankara) und Seele (Purusha) bilden Suksh-madeha oder den feinstofflichen Körper, während die fünf Urelemente (Panchamahabhutas) Äther (auch Himmel), Luft (auch Wind), Feuer, Wasser und Erde den grobstofflichen Körper formen, der uns befähigt, die Freuden und Leiden eines lebenden Wesens zu erfahren. Die These von der Entstehung der Ur- oder Protoelemente und der feinstofflichen Elemente wird beeinflusst durch die philosophischen Denksysteme Sankya (Evolutionsthese). Nyaya (Abgrenzung von Realität durch deduktive Argumentati-on) und Vaiseshika (kritische materialistische Realitätsanalyse). Die aus dem Yoga bekannten Prinzipien, wie bestimmte Körperhaltungen (Asanas), um schwache Orga-ne zu stärken, Atemübungen (Pranayama) oder meditative Übungen (Dhyana), welche dazu dienen, die innere Ruhe wieder herzustellen oder Fortschritte in seiner Spiritualität zu erreichen, finden im Ayurveda ebenfalls Anwendung.
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