Rheumatoide Arthritis im Ayurveda
February 26th, 2008
Dr. med. Hedwig H. Gupta
Fachärztin für Orthopädie und Rheumatologie
Ayurveda, Therapeutischer Yoga, Akupunktur und Manuelle Medizin
Am Marktplatz 5, D - 71634 Ludwigsburg
Tel ++49 7141 87 55 98
www.dr-gupta.de / info@dr-gupta.de
Historisches
Im Ayurveda werden längst nicht alle Krankheiten namentlich genannt und separat beschrieben. Nur beispielhaft werden häufige Erkrankungen vorgestellt. Im Madhava Nidanam, einem der drei Klassiker der Laghu Trayi, der „Leichten Drei“, wird erstmals eine Krankheitsentität namens Amavata beschrieben. Diese entspricht in vielen Aspekten rheumatischen Erkrankungen, insbesondere der Rheumatoiden Arthritis.
Ätiologie von Amavata
Im Ayurveda sieht man die rheumatoide Arthritis als eine von vielen verschiedenen Faktoren verursachte Erkrankung. Vor allem folgende Faktoren werden als Auslöser beschrieben:
Ernährungsfehler
Ungünstige Verhaltensweisen und Denkmuster
Lange Krankheit mit Verlust von Körpersubstanz
Fehlerhaftes therapeutische Vorgehen
Saisonale Faktoren
Verdauungsschwäche
Konstitutionelle Veranlagung
Gemeinsam ist diesen Faktoren, dass sie zu einer Vata-Erregung führen und das Verdauungsfeuer (Agni) schwächen. Die rheumatoide Arthritis ist damit im Ayurveda kein Autoimmungeschehen, sondern eine metabolische Erkrankung (Stoffwechselerkrankung).
Entstehung von Amavata
Aus der Erregung von Vata und Schwächung des Agni resultiert eine unvollständige Verdauung mit Resorption von halbverdauten Metaboliten (Ama), die anstelle der reinen Nahrungsessenz in den Kanälen zirkulieren. Diese Metabolite vergären weiter und lassen die Essenz klebrig und fadenziehend werden. An den Stellen des Körpers, an denen die Kanalsysteme vorgeschädigt sind, bleiben die klebrigen Metabolite an der Kanalwand haften und blockieren den Kanal. Die dadurch weiter in Dysharmonie geratenden Doshas reagieren mit dem umgebenen Gewebe und es kommt stadienabhängig zur Ausbildung von krankheitstypischen Symptomen.
Symptome von Amavata
In chronischem Zustand
Übelkeit und Appetitlosigkeit
Durst
Trägheit / Schweregefühl
geringgradiges Fieber
Schwellung und Schmerz im Körper
In akutem Zustand
starker Schmerz und Schwellung in den Gelenken von Händen, Ellenbogen, Kopf, Kreuz-
Darmbeingelenk, Hüften, Knie und Sprunggelenken.
Appetitsverlust, Geschmacksverlust
Verlust von Energie und Lebensmut
Formen von Amavata
Je nach Dosha-Dominanz gibt es verschiedene Formen des Amavata, die auch Stadienabhängig ineinander übergehen können.
Kapha-dominant
Typische Merkmale - Schwellung
- Schweregefühl
- Steifheit
- Jucken
- Kältegefühl
Pitta-dominant
Typische Anzeichen - Rötung des Gelenks
- brennender Schmerz im Gelenk
-erhöhte Temperatur des Gelenks
Vata-dominant
Typische Zeichen -Schmerz
- Trockenheit, rauhe Gelenkoberfläche
Ayurvedische Therapie von Amavata
Wie in der Schulmedizin ist im Ayurveda ein stadien- und verlaufsabhängiges Vorgehen angezeigt mit Kombinationen der therapeutischen Möglichkeiten.
Ziel ist, den Krankheitsprozeß zu verlangsamen oder zum Stillstand zu bringen, die Schmerzen zu lindern und die Lebensqualität des Rheumatikers zu heben.
Die erste ärztliche Intervention ist das Vermeiden der auslösenden Faktoren. Dies geschieht durch intensive Beratung über Ernährung, Verhalten- und Denkweise. Zur Erleichterung der Umsetzung dieser Änderungen sowie zur Erhaltung der körperlichen und geistigen Agilität des Patienten werden gern yogische Techniken angewandt.
Die weitere Therapie ist stadienabhängig.
Im akuten Schub sind drei Schritte vordringlich:
- das Verdauen von Ama (durch Nahrungsreduktion und verdauungsfördernde Gewürze),
- die Schmerztherapie (durch Anwendung von Wärme und Kräutern),
- die Grundreinigung mit Ausleitung der massiv veränderten Doshas (über fettende Maßnahmen, abführen sowie nährende und reinigende Einläufe).
Im chronischen Stadium sind folgende Maßnahmen angezeigt:
- Fortführung und Intensivierung der Verhaltens- und Ernährungsberatung (mit dem Ziel, die Verdauung aktiv zu halten)
- äußerliche Anwendungen (mit Wärme, Ölen, schmerzstillenden Kräutern und Massagen)
- orale Gabe von Kräutern und Gewürzen (zur Verdauungsförderung, Vata-Beruhigung und zum
Substanzaufbau)
- erneute Zyklen der Grundreinigung in 3-6monatigen Abständen (zur weiteren Reinigung und
Prophylaxe eines weiteren Schubes)


