Archive for July, 2008

PSYCHIATRIE UND STRESSBEWÄLTIGUNG IM AYURVEDA


July 21st, 2008


Gerade im Bereich der Psychiatrie steckt die Forschung um das Verständnis von der Krankheitsenstehung noch in den Kinderschuhen und die Suche in anderen Kulturen kann eine große Bereicherung sein.
Auch AYURVEDA, die traditionelle indische Heilkunde, bietet sehr interessante Ansätze zur Behandlung von psychischen Krankheiten und Stress, und man bekommt schnell den Eindruck, dass das Wissen um seelische, psychische und universelle Zusammenhänge wesentlich tiefgründiger und umfassender ist als das Unsere.

DIE PSYCHISCHE KONSTITUTION
Die drei Gunas (übersetzt: “Eigenschaften”) Rajas, Tamas und Sattva werden nicht nur in den Schöpfungsmythen der Veden erwähnt, sie beschreiben auch psychische Zustände im Menschen. Rajas wird in Verbindung gebracht mit Wut, Gewalt, Grausamkeit, den Wille zu kontrollieren, Gier, Leidenschaft, Eifersucht usw., ist seiner Natur nach also feurig. Tamas wird assoziiert mit Trägheit, Dumpfheit, Passivität, negativen Emotionen, Mangel an Intelligenz und starkem Sexualtrieb. Eine Erhöhung von Rajas und Tamas führt früher oder später zu psychischen Krankheiten neben anderen Ursachen wie Traumata, sozialen und übersinnlichen Einflüssen.
Alles was für psychische Gesundheit steht oder sie wieder herstellt, gehört zum Sattva Guna: eine gute Selbstkontrolle, ein starker Intellekt, Ruhe und innerer Frieden und Freiheit von negativen Emotionen.

WECHSELWIRKUNG MIT DEM PHYSISCHEN KÖRPER

Auf körperlicher Ebene wirken die Doshas. Sie entstehen aus den 5 Elementen, Vata Dosha aus Luft und Äther, Pitta aus Feuer und etwas Wasser und Kapha aus Wasser und Erde. Sie sind die hauptsächlichen Verursacher von Krankheiten. Dauerhafte negative Emotionen können über die psychischen Gunas die Doshas erhöhen und körperliche Beschwerden auslösen - ein Mechanismus der in unserer westlichen Medizin als Psychosomatik bezeichnet wird. Angst, Kummer und Sorgen erhöhen Vata, Wut erhöht Pitta und Trägheit, Depressionen etc. erhöhen das Kapha Dosha.
Umgekehrt kann eine Erhöhung der körperlichen Doshas negative Emotionen auslösen. So können z.B. kühles und wechselhaftes Wetter, kalte, trockene Nahrungsmittel sowie ein unregelmäßiger und unruhiger Lebensstil das Vata Dosha erhöhen und auf psychischer Ebene Unruhe und Ängste auslösen.

STRESS UND PSYCHOSOMATIK
Psychosomatische Beschwerden entstehen oftmals aufgrund von Stress. Was passiert dabei im Körper, wenn wir Stress empfinden ? Stress entsteht im Kopf, z.B. als unbewusste Angst, nicht genügend Leistung zu bringen, zu wenig Zeit für seine Arbeit zur Verfügung zu haben oder in Form von unterdrücktem Ärger und ungelösten Konflikten gegenüber Arbeitskollegen, Chefs, Familienmitgliedern usw. Der Körper reagiert mit Urinstinkten, d.h. er bringt eine Reaktionskette in Gang, die dem Urmenschen in der Wildniss das Überleben ermöglichen sollte: die “Flight-or-Fight-Reaktion” (Flucht oder Kampf). Der Körper wird praktisch in Alarmbereitschaft versetzt. Über das zentrale Nervensystem werden Hormondrüsen aktiviert, die im Körper bewirken, dass die Blutgefäße eng gestellt werden, die Muskeln angespannt werden und die Verdauungstätigkeit gehemmt wird, alles Mechanismen um einen möglichen Kampf oder eine Flucht vor der Gefahr zu ermöglichen, Bei  Dauerstress treten genau an diesen Körpersystemen Beschwerden auf: ein zu hoher Blutdruck, Muskelverspannungen und Verdauungsprobleme wie z.B. Verstopfung, Globusgefühl usw.

THERAPIEN AUS DEM AYURVEDA
In der Regel ist die ayurvedische Behandlung von Streß sehr effektiv. Der Fokus liegt auf der Reduktion des Vata Doshas, durch Kopfbehandlungen wie dem Stirnölguss (Shirodhara) und dem v.a. bei Schlafstörungen eingesetzten Shirovasti, einem Öldamm auf dem Kopf. Aber auch ölige Darmeinläufe zeigen eine starke Wirkung.
Eine Ganzkörper Ölmassage (Abhyanga) mit Vata reduzierenden Ölen mit anschließender Schwitzbehandlung bringt oft schon die ersehnte Entspannung. Zusätzlich kann das Nervensystem mit Heilpflanzen gestärkt werden, z.B. Ashwagandha bei Unruhezuständen, Brahmi bei Konzentrationsstörungen und Depressionen usw.
Es gibt zahlreiche Heilpflanzen im Ayurveda mit einem sehr breiten Wirkungsspektrum und einem großen dokumentierten Erfahrungsschatz. Yoga und Meditation führen zu mehr Gelassenheit im Alltag, helfen dabei, sich selbst mehr zu reflektieren und die eigenen Stressmechanismen zu durchschauen. Gelingt dies nicht, sollte man mit einer psychotherapeutischen Begleitung tiefer liegende Ursachen herausfinden. Schwere Erkrankungen bedürfen einer tiefer gehenden und längeren Behandlung. Methoden aus dem Ayurveda und Yoga bilden eine ideale Ergänzung zur psychologischen Betreuung. Der sogenannte Panchakarma Prozess kann zunächst das energetische Gleichgewicht wieder herstellen. Bis tief ins Gewebe hinein wird der Körper zunächst gereinigt durch therapeutisches Erbrechen, Abführen, Darmeinläufe, Nasenreinigung und Blutreinigung - je nach Indikation. Erst jetzt kommen die entsprechenden Heilpflanzen zu ihrer vollen Wirkung. Das Sattva Guna wird erhöht durch Yoga, die richtige Ernährung und dem sogenannten Acara Rasayana.
Sattvische Nahrungsmittel sind frische, nahrhafte und naturbelassene Nahrungsmittel, wie verschiedene Obst und Gemüsesorten, Walnüsse, Sahne, Ghee, verschiedene Getreidesorten usw. Zu meiden sind unbedingt Nahrungsmittel, die industriell verarbeitet sind, Fertiggerichte, alte und verdorbene Nahrungsmittel, zu viel Fleisch, Auszugsmehle etc.
Acara Rasayana ist die Integration von ethischen Grundsätzen in den Alltag. Der Hintergrund ist die Auffassung im Ayurveda, dass unethisches Verhalten nicht nur für die Gemeinschaft schädlich ist, sondern auch durch soziale und karmische Mechanismen auf das Individuum zurückwirkt. Stets die Unwahrheit zu sagen oder seinen Partner zu betrügen erzeugt hochgradig Stress, hierbei erwischt zu werden. Das soziale Umfeld verliert zunehmend das Vertrauen in die Person was z.B. eine zunehmende Isolation zur Folge haben kann.

(Roman Kupsa, Heilpraktiker. Auszüge aus der Abschlussarbeit zum Certifizierten Ayurveda Spezialisten (C.A.S.) der SEVA-Akademie in München/Bangalore “Neurologie und Psychiatrie im Ayurveda”. 2008.)


Tags: ,
date
 

Guggulu (Commiphora mukul)


July 9th, 2008



Von Dr. Jörg Zittlau, Wissenschaftsjournalist

Guggulu (Commiphora mukul), manchmal auch Guggul oder Indische Myrrhe genannt, besitzt in der asiatischen Heilslehre des Ayurveda eine lange Tradition. Sein Harz wurde zu unterschiedlichen Behandlungszwecken verwendet, von der Arthritis über Hautentzündungen und Knochenentzündungen bis zu Fettstoffwechselstörungen und Übergewicht. In klassischen Ayurveda-Schriften wie dem Atharva Veda und dem Sushrutasamhita wird von der Myrrhepflanze geradezu geschwärmt. Jüngere Forschungsberichte belegen, dass sie auch aus Sicht der wissenschaftlichen Medizin viel zu bieten hat…

Botanische Merkmale
Guggulu zählt zu den Myrrhegewächsen. Er wächst in Nordindien, Pakistan und Bangladesch. Typisch für ihn ist seine aschfarbene Rinde, die sich in kleinen Rollen vom Stamm abpellt. Therapeutisch genutzt wird das Gugguluharz. Es wird geerntet, indem man vom Fuß des Baumstamms etwas Rinde abschält und dort einen Schnitt setzt. An dieser Stelle läuft dann das Harz heraus, um wenig später zu bräunlich-gelben Tropfen zu gerinnen. Diese Tropfen werden dann einfach vom Baumstamm abgekratzt.
Die Guggulu-Ernte beginnt im November und dauert bis Ende Januar. Ein Baum liefert etwa 1 Kilogramm Harz. Das regelmäßige „Anzapfen“ schadet den Bäumen übrigens nicht.

Die Wirkungen
* Typische Guggulu-Wirkstoffe
Hauptwirkstoffe von Guggulu sind seine Steroide, die so genannten Guggulsterone. Diese Stoffe machen den großen Unterschied aus zwischen Commiphora mukul und allen anderen Commiphora (=Myrrhe)-Gewächsen. Fast wäre man versucht, aufgrund dessen sogar von einer eigenständigen Art zu sprechen, doch rein äußerlich erinnert Guggulu durchaus an die Myrrhepflanzen, die man auch aus unseren Breiten kennt.
Zwei der Guggulsterone scheinen für die cholesterin- und gewichtsreduzierenden Wirkungen des Harzes verantwortlich zu sein, nämlich die E- und die Z-Guggulsterone. Dass sie in den Fettstoffwechsel eingreifen ist mittlerweile wissenschaftlich gut dokumentiert. Über ihre genauen Wirkungsmechanismen herrscht hingegen noch keine Klarheit. Einige Laborexperimente weisen darauf hin, dass Guggulsterone über ihren Einfluss auf die Gallenflüssigkeit die Fettaufnahme reduzieren. Möglich ist aber auch, dass sie direkt die Arbeit der Schilddrüse anregen und damit gewissermaßen den „hormonellen Fettabbau“ anregen. In einer weiteren Laborstudie wurde außerdem festgestellt, dass Guggulu bestimmte Rezeptoren in der Leber sensibilisiert und sie auf diese Weise davon „überzeugt“, mehr LDL-Cholesterin aus dem Körper zu ziehen.

* Frühe wissenschaftliche Erkenntnisse
Die erste Arbeit zu Guggulu und seinem Einfluss auf den Fettstoffwechsel erschien im Jahre 1966: eine Dissertationsschrift an der Banaras Hindu Universität in Indien, ihr Autor war ein junger Forscher namens Satyavati. Er hatte in den alten Ayurveda-Schriften geblättert und dabei festgestellt, dass dort schon auf einen Zusammenhang zwischen Übergewicht und Arteriosklerose hingewiesen wurde, obwohl man damals noch gar nicht die technischen Apparaturen zu solchen Erkenntnissen besaß. Die ayurvedischen Ärzte hatten aber beobachtet, dass sich bei Patienten, denen Gugguluharz verabreicht wurde, nicht nur der Zustand der Blutgefäße, sondern auch ihr Übergewicht verbesserte. Guggulu war also der Schlüssel, durch den sie Blutgefäßerkrankungen und Übergewicht in Verbindung brachten. Für Satyavati Grund genug, sich näher mit dieser Pflanze zu beschäftigen.
Und so stellte er denn auch konkrete Versuche zu Guggulu an. Er verwendete dazu Kaninchen, die unter Übergewicht und einem erhöhten Cholesterinspiegel litten. Beide Probleme ließen sich, wie der junge Forscher beobachtete, mit Hilfe von Gugguluharz in den Griff bekommen. Darüber hinaus sank bei den Tieren das Risiko, an Herzinfarkt und anderen Folgeerkrankungen von Arteriosklerose zu erkranken.
Satyavatis Erkenntnisse beeindruckten auch andere Forscher, Guggulu fand nun den Weg in groß angelegte Forschungsprojekte. Und das nicht nur an Tieren, sondern auch an Menschen.

* Wirkungsvolle Cholesterin- und Fettbremse
Laut einer aktuellen Studie des UT Southwestern Medical Centers in Dallas blockiert Guggulu den so genannten Famesoid-X-Rezeptor, der im Cholesterinhaushalt des Menschen eine zentrale Rolle spielt. Die „Anti-Fett-Wirkung“ von Gugguluharz ist klinisch vielfach belegt. Demnach führt eine tägliche Dosis von 10 bis 15 g nach drei Monaten im Blut zu einer Cholesterinsenkung von bis zu 25 und zu einer Triglyzeridsenkung von bis zu 30 Prozent. Die ersten Verbesserungen am Blutfettspiegel treten nach etwa 2 Wochen ein.

Ermutigende Ergebnisse, die schließlich auch dazu führten, Guggulu doch einmal mit dem etablierten Cholesterinsenker Clofibrat zu vergleichen. Das Ergebnis: das pflanzliche Medikament steht dem synthetischen in seiner Wirkung auf den Blutfettspiegel keineswegs nach. Nicht umsonst werden Guggulsterone in Indien schon länger standardmäßig dazu eingesetzt, Fettstoffwechselstörungen zu behandeln.

* Gewichtsreduktion
Die bemerkenswerteste Studie zu Guggulu und seinen Einfluss auf das Körpergewicht stammt aus dem Jahre 1995, sie wurde am Swami Prakashananda Ayurveda Research Centre in Bombay durchgeführt. Hier wurden 58 übergewichtige Patienten in zwei Gruppen eingeteilt: die eine wurde dazu angehalten, sich kalorienarm zu ernähren und 30 Minuten täglich einen strammen Spaziergang zu machen, die andere Gruppe erhielt zusätzlich ein Gugguluextrakt. Nach 30 Tagen zeigte sich in beiden Gruppen eine deutliche Gewichtsreduktion. Die Guggulu-Patienten hatten jedoch um durchschnittlich 0,6 kg mehr an Körpermasse verloren, und die über 90 kg schweren unter ihnen zeigten sogar Gewichtsverluste, die um 2,25 kg höher waren als in der einen Diät- und Spaziergängergruppe.
Dieses Ergebnis belegt, wie wirkungsvoll uns Guggulu beim Abspecken unterstützen kann. Eines sollte jedoch nicht vergessen werden: Guggulu wurde in der Bombay-Studie nicht solo, sondern im Rahmen eines Bewegungs- und Diätprogramms eingesetzt. Seine große Stärke liegt also offenbar darin, diese beiden klassischen Methoden zur Gewichtsreduktion zu unterstützen. Ein Mittel, um trotz aller Ernährungssünden an Gewicht zu verlieren, ist es jedoch nicht. Darin liegt jedoch keinesfalls eine Schwäche von Guggulu, sondern seine besondere Seriosität. Denn er kommt nicht als Wundermittel daher - nach dem Motto: „Essen Sie wie bisher, und verlieren Sie trotzdem 10 kg in vier Wochen!“ - , sondern als ein pflanzliches Medikament, das uns im Rahmen des Machbaren dabei unterstützen kann, unsere Gewichtsprobleme in den Griff zu bekommen.

Mögliche Nebenwirkungen
Guggulu ist ausgesprochen arm an Nebenwirkungen, vor allem seine Extrakte besitzen eine ausgesprochen gute Verträglichkeit. Ganz selten wurden Hautausschlag, Kopfschmerzen, Aufgeregtheit, Durchfall und Magenverstimmungen beobachtet, und auch die nur über einen kurzen Zeitraum. Leber- und Nierenfunktionen, Blutzucker und Blutbild werden durch Guggulu - im Unterschied zu vielen anderen Cholesterinsenkern - nicht negativ beeinflusst. Es existieren allerdings vereinzelte Fallbeschreibungen, wonach Guggulu-Präparate („Guglipid“) Wechselwirkungen mit bestimmten cholesterinsenkenden Medikamenten haben können. Wenn man allerdings die Berichte der letzten Jahre zu pharmazeutischen Cholesterinsenkern verfolgt (z.B. Lipobay), muss die Frage gestellt werden, ob die eigentliche Gefährdung nicht von diesen Arzneimitteln ausgeht anstatt von Guggulu.

Anwendung und Dosierung
Die richtige Dosierung hängt davon ab, wie hoch der jeweilige Guggulsteron-Gehalt einer Zubereitung ist. Für die Behandlung von Übergewicht und Fettstoffwechselstörungen werden gemeinhin 75 mg Guggulsterone empfohlen, verteilt auf drei Portionen pro Tag. Für die üblichen Extrakte (mit 5 % Gehalt an Guggulsteronen) bedeutet dies umgerechnet dreimal 500 mg täglich. Für gereinigtes Äthanolextrakt, das aus unverarbeitetem Guggulpulver gewonnen wurde, werden als Tagesration 3 bis 6 g, für das unverarbeitete Harz selbst 5 bis 15 g empfohlen, ebenfalls verteilt auf 3 Portionen. Das unverarbeitete Pulver wird am besten in einem Glas Obstsaft aufgelöst.

Einkauf
Guggulu fristet in Deutschland immer noch ein Außenseiterdasein. Als cholesterinsenkendes Medikament ist er hierzulande – im Unterschied zu Indien und anderen Ländern – nicht zugelassen. In hiesigen Apotheken erhält man bislang lediglich Nahrungsergänzungsmittel mit pulverisierter Guggulu-Rinde.

Von Dr.Jörg Zittlau, Autor des Buches „Fatblocker. Die neue Erfolgsdiät“, Ludwig-Verlag
Dr.Jörg Zittlau

none
date