EKANATH ODER DIE NÄCHSTENLIEBE
September 7th, 2007
Einst lebte ein Weiser, der wegen seiner mächtigen und wirkungsvollen Mantren (Gebete) berühmt war. Diese gab er aber nur wenigen ausgewählten Schülern weiter, von deren Ernsthaftigkeit und Hingabe er sich lange überzeugt hatte. Auch achtete er streng auf die Geheimhaltung der Mantren.
Nun kam ein junger Mann, der Ekanath hieß, in seine Einsiedelei und bat um die geistige Ausbildung und die Einweihung in ein Mantra, das ihn zur Gotterkenntnis führen würde. Der Weise nahm ihn als Schüler an und Ekanath diente ihm in Demut und Liebe. Nach einiger Zeit war der Weise von Ekanaths Wissen und Ernsthaftigkeit überzeugt und bereitete die Feuerzeremonie für die Einweihung vor.
Als sie nun am Feuer saßen, erläuterte der Weise die Macht des Mantras: „Mein lieber Ekanath, beachte bitte, daß dieses Mantra in der Lage ist, jedes Lebewesen, ob Mensch, Tier oder Pflanze von den Fesseln der materiellen Anhaftung zu befreien. Wer dieses Mantra nur eimmal hört, wird seine Liebe zu Gott erwecken und diese Liebe läßt alle Anhaftungen an materielle Sinnesobjekte verblassen. Aber gib acht, wenn du dieses Mantra nicht geheim hältst, wirst du zu ewigem Leid in der Hölle verdammt!“
Nach der Einweihung ging Ekanath voller Freude in seine Heimatstadt und stieg ohne zu Zögern auf den Tempelturm. Er rief alle Bürger zu sich und begann laut das glückverheißende Mantra zu rufen. „Om namo Narayana!„ (Ehre sei Gott) Dann erklärte er den Bürgern die Wirkung des Mantras und alle Versammelten begannen es zu singen.
Als dem Weisen dieser Vorfall zu Ohren kam, schickte er unverzüglich einen Schüler in die Stadt, um Ekanath zu holen. Dieser trat demütig vor den Weisen. Und auf dessen Frage, warum er das geheime Mantra verraten habe, erwiderte Ekanath: „Alle Lebewesen sind Geschöpfe Gottes, alle haben das Recht auf Seine Liebe. Wenn ich alle Wesen durch das Mantra aus der materiellen Anhaftung befreien und ihre Liebe zu Gott wieder erwecken kann, so gehe ich gerne dafür in die Hölle“.
Da umarmte ihn der Weise und sprach mit Tränen in den Augen: „Du bist der erste meiner Schüler, der den wahren Sinn dieses Mantras erkannt hat und es richtig anzuwenden wußte. Möge alle Welt von deiner Tat profitieren.“ Dann segnete er Ekanath mit einem langen Leben und spiritueller Größe.
*************
Reinhard und Monika Schacker



